Baghdad – “The Gates Of Cairo”

Nachdem wir Baghdad wieder verlassen haben, lange hat es uns da doch nicht gehalten, sind wir weiter Richtung El Kharga City gefahren. Allerdings war der Gegenwind mittlerweile so stark, dass wir mit zehn Stundenkilometern dahin gekrochen sind und Spaß hat’s dann sowieso keinen gemacht.

Wir haben etwa 15km südlich von EKC in einer kleinen Düne am Straßenrand gecampt. Der Sand ist ohnehin gemütlicher, als die meisten Betten und in dem Fall hatte es noch den Vorteil, dass wir einen Schlafplatz mit „Tempelblick“ hatten.

Die Sonne ist untergegangen, wir saßen auf der Düne und haben beobachtet wie sich der Tempel rosa, orange, rot, blutrot und dann schwarz färbt und unter den Sternen versinkt. Es ist einer der weniger touristischen und wie in Sudan ist wieder diese … „ancient“ Stimmung aufgekommen. Es war, als könnte man um sich rum die alten Ägypter laufen und leben sehen, als säßen sie neben einem auf dem gleichen Sand unter der gleichen Sonne und hätten 3000 Jahre früher den gleichen Tempel angestarrt. Ich mag das.

Am nächsten Morgen sind wir dann nach EKC gefahren und sofort weiter mit einem Minibus nach Mut in der Dakhla Oase. Beide Städte sind nicht besonders schön, nicht besonders „unterhaltsam“ und bestehen hauptsächlich aus mehrstöckigen Beton-Wohngebäuden und einer Ansammlung geschlossener Läden. Gerade jetzt, wo ich diese ersten Zeilen des vorletzten Berichtes schreibe, sitzen wir schon vier Stunden in Mut am „Busbahnhof“ und warten vergeblich darauf, dass sich andere Passagiere nach Farafra einfinden und der Bus dann losfährt. Scheint kein besonders beliebter Ort zu sein, Farafra.

verzweifelt gesuchter Schatten

Der Grund warum wir gerade so viel Bus fahren ist, dass wir eine kleine Fehlkalkulation beim Flug hatten und vergessen haben Rasttage einzurechnen. Wir könnten jetzt zwar vierzehn Tage lang ohne Pause durch die Wüste heizen und dann gerade so für den Flug in Cairo ankommen, aber das ist uns ehrlich gesagt jetzt am Ende zu anstrengend. Ägypten ist mehr ein Warmdown als ein Endspurt ;-) .

Und außerdem sind wir ja schon nach El Kharga gefahren, was ursprünglich nicht geplant war. Das hat unseren Zeitplan nochmal durcheinander gebracht.

Von Farafra aus sind wir dann wieder in die Wüste gefahren, die berühmte weiße und schwarze Wüste. Das heißt erst die weiße, dann die schwarze. Fabian hat sich schon seit Beginn der Reise auf diese Etappe gefreut, die wohl zu Recht als eine der schönsten Stellen in der Sahara gilt. Das erste Anzeichen der weißen Wüste waren kleine Kalksteinformationen. Kopfgroße Steine, manchmal übereinander gestapelt, manchmal in Haufen, manchmal geformt wie Dünen und häufig als natürliche Säulen. Mit jedem Kilometer sind diese Formationen größer geworden, vor allem die Säulen. Wir sind am Nationalparkschild vorbeigekommen „White Desert National Park“ und die Formationen wurden noch größer. Irgendwann sind wir dann durch einen Wald aus baumhohen blendendweißen Felsverrenkungen gefahren. Manchmal war der nur links der Straße, dann nur rechts und dann sind wir wieder mitten durchgefahren.

So plötzlich (gemessen an all den Wüstenkilometern) wie die weiße Wüste gekommen ist hat sie auch wieder aufgehört. Wir sind eine weiße Klippe rauf gefahren und dann waren wir wieder im Sandmeer – weit und breit keine Kalksteine mehr.

Wir mussten dann ungefähr 50km weiter durch das Sandmeer fahren, bis wir in die schwarze Wüste gekommen sind – mein persönlicher Favorit. Die schwarze Wüste ist nicht die weiße Wüste in schwarz. Es gibt keine oder kaum abgefahrene Lavasteinformationen, keine Säulen und keine „Dünen“. Es ist eher so als wären in der ganzen Wüste „Bichel“ verteilt.Das Tolle ist dann, dass über dem normalen goldbraunen Sand eine schwarze Schicht Lavastein liegt und die ganze Wüste völlig anders akzentuiert und „schattiert“. Auch die Berge sind mit dieser schwarzen Schicht überzogen und kriegen dadurch auf einmal viel mehr Textur. Wenn man von oben in die Wüste runter fährt sehen die Hügel mehr aus wie ein Meer verfaulter Zahnstümpfe als hmmm… Hügel in einer Wüste. Die Sonne ist dann über diesen Hügeln untergegangen, die Schatten wurden länger und da wo die Sonne die Hügel angeschienen hat haben sie fast golden gestrahlt. Gleichzeitig konnte man aber auch Schatten nicht mehr von Lavasteinfeldern auseinanderhalten, sie sind verschmolzen und haben regelrechte Illusionen von unmöglichen Formen gebildet. Wahnsinn!Die nächste Nacht? Eine der üblichen Wüstennächte und ich liebe sie immernoch. Die beste Zeit in der Wüste ist eigentlich der frühe Abend, Morgen und die Nacht. Es wäre also am besten, wenn in der Wüste konstant Dämmerung wäre. Es ist nicht möglich diesen Sternenhimmel in Worte zu fassen, die das Gefühl adäquat beschreiben, das einen dabei überkommt. Auch lyrisch nicht – zumindest ist mir bis jetzt kein Gedicht untergekommen, dass das geschafft hätte.  Wir machen immer lange Mittagspausen in denen es wenig zu tun gibt und dann ist man Abends nicht müde genug um sofort einzuschlafen. So kann man dann noch lange in die unendliche Anzahl von Sternen starren und jede Sekunde davon genießen.Anderthalb Tage später haben wir die Bahariya Oase erreicht. Darüber gibt es wenig zu sagen, außer dass sie durch ihre Nähe zu Kairo schon deutlich touristischer ist als die vorigen. Wir haben noch einen Tag Pause gemacht und dann endlich die letzten 400km nach Kairo in Angriff genommen. In Bahariya hat sich dann auch eine gewisse Melancholie breit gemacht. Etwas großes war dabei zu Ende zu gehen. Wir haben uns sehr darauf gefreut Heim zu kommen, Freunde und Familie wiederzusehen und etwas Alltag zu haben, aber dann bedeutet das nicht mehr Reisen zu können. Einen komplett anderen Lebensstil aufzunehmen, nicht mehr zu Reisen und dieser Tausch ist ein schlechter. Vor allem wenn man mehr Alltag hat als das man reist. Wir hätten kein Problem damit gehabt Afrika oder die Wüste zu verlassen (Anm. 23.09.: dachten wir), aber dann könnte man ja einfach in kühlerem Klima weiter Rad fahren!Aber wir sind am nächsten Tag dann natürlich trotzdem auf unsere Räder gestiegen und haben eine sehr unspektakuläre letzte Etappe angetreten. Kleiner Seitengedanke: Es war interessant zu sehen, wie wir die „letzte Etappe“ immer weiter runtergebrochen haben. Die Erste Letzte Etappe war nach Verlassen von Addis: Das letzte Drittel. Die zweite Letzte Etappe war mit Erreichen von Ägypten: das letzte Land. Dann mit erreichen der Wüste: Die letzte Straße. Dann kam noch die letzte Oase, die letzte Etappe ohne Pause, die letzte Tagesetappe, die letzte Halbtagesetappe und die letzte Etappe nach einer kleinen Pause.Abgesehen davon, dass wir sowieso nicht ankommen wollten kam dann noch sehr starker Gegenwind dazu. Radfahrer beschweren sich ja immer über Gegenwind, aber auf der Etappe war es besonders schlimm und er kamm tatsächlich von vorne. Wir sind extra stehengeblieben um zu überprüfen, dass es sich nicht um Fahrtwind handelt. Der Wind wurde so stark, dass das fahren keinen Spaß mehr gemacht hat. Die Wüste war völlig unspektakulär und je näher man nach Cairo kam desto stärker wurde der Verkehr. Insgesamt war es einfach ätzend.Aber dann gibt es immernoch diese kleinen Dinge, über die man sich dann freuen kann. Zum Beispiel hat uns ein Bahner irgendwo in der Mitte von Nirgendwo in seine Bahnhütte zum Tee eingeladen. Oder Soldaten eine Dose Pepsi gespendet und unser Wasser wieder aufgefüllt.Zwei Tage später am Nachmittag haben wir nach genau der Hälfte der Strecke die letzte Cafeteria der Tour (hmmm) und v.a. auf dem Weg nach Cairo erreicht. Wir haben eine sehr lange Mittagspause eingelegt während der es uns dann irgendwann doch gepackt hat: Wir haben entschieden die Nacht durch direkt nach Cairo zu fahren.Der Hauptgrund war allerdings zugegebener Maßen folgende Rechnung (wir hatten fest vor wieder Nachts zu fahren um dem Wind zu entgehen): Cairo bzw. der Tahrirsq. Ist 190km entfernt. Wenn wir in der ersten Etappe 130km fahren – durch die Nachtfahrt noch eine pessimistische Einschätzung – wären wir noch 60km von Cairo entfernt. D.h. wir wären irgendwo in einem Vorort von Cairo und da werden wir sicher keinen kompletten Tag in einer Bushaltestelle dösen, nur weil das so der Zeitplan war. Folglich hatten wir garkeine andere Wahl mehr als die 60km einfach am Ende noch durchzufahren.Und genau das haben wir dann auch getan. Wir haben bis ein Uhr Nachts am Fuße einer dieser komischen schwerstbewachten Rundfunkantennen mitten in der Wüste geschlafen und sind dann losgefahren. Vorbei an Ölbohrtürmen, Trucks mit Boden- aber ohne Frontbeleuchtung und der städtische Müllhalde (immerhin gut 5km Durchmesser) bis zu den ersten Häusern von Cairo…Tim

We spent the night after leaving Baghdad in a deserty patch of land between two sub-oasises of El Kharga Oasis. The head wind had been so strong we didn’t make it to El Kharga city that day but that was alright. It gave us another night in the sand which tends to be more comfortable than beds anyway and most of all we had direct line of sight to one of the less touristy temples in Egypt. It gleamed red in the setting sun as if it were on fire and once again, with nobody around, we could feel the echo of the past. You can just sit and watch the sun set and without any efforts all of a sudden you can imagine all those ancient people walking around you, sitting in the same place and watching the same sun setting over the same temple. Interesting feeling.The next day when we wanted to get a closer view of course at 6:30 it was still closed but then from a few meters distance it was more a pile of rubble than a majestic temple. We cycled the remaining few kilometers to El Kharga City and left it right away on a minibus to Dakhla Oasis. They didn’t differ much, both are not very beautiful places with concrete tenants and a few closed shops.And now as I’m writing this we’re waiting for a minibus to depart to Farafra Oasis from where we will take on our final leg to Cairo. We’re now running a bit short of time, or perhaps short of permanent cycling motivation. We simply don’t want to rush through fourteen days without rest anymore, not so close to the end, and thus decided to skip a few hundred kilometers to afford the time to chill out in the one or other oasis.We cycled again from Farfra Oasis into the white desert. It’s said to be one of the most impressive parts of the Sahara and that’s just too true. It began with small wind-shaped chalk stone formations. Round rocks, sometimes piled onto each other, dune shaped rocks and pillars, but all rather small. Then a few kilometers later they grew taller, especially the pillars. We passed a national park entry sign and then the warped shapes grew to the size of cliffs in the most bizarre formations. The desert was spotted with those pillars and weird shapes. One time on the right side, the next moment on the left and then on both sides again. It’s a stunning scenery and an amazing experience to cycle through that “forest of stone” – they are like trees, standing out of the desert in blinding white.The White Desert will end as abruptly as it had slowly begun. We cycled up one of the cliffs and were yet again in the sea of sand. This continued for some time until we reached the Black Desert, my personal favorite of the two.There weren’t as many strange formations and warped stones but the whole desert was covered in a thin layer of black sand and volcanic stones. It sets entirely new and much stronger accents to the elevation of the place and gives a sense of shading below the dunes. The whole desert seems to have much more structure.And then there are those hills, pillars, “Bichels”. Extremely steep hills, almost broad pillars, covered in this mixture of yellowishbeigegold and black. They look like rotting teeth spread amongst the desert and when the sun sets over those hills they shine slightly golden and they cast growing shadows onto each other and the real shadows seem to melt together with the fake shadows of the black sand but sometimes they will also contrast each other, forming illusions where you can’t tell which one is sand and which one is shadow. I loved it.Platt

And once again: I love the desert nights. That’s what, in the end, really makes cycling the desert worth it. That pitch black sky with the millions and billions of stars, the broad whitish band of the Milky Way and perhaps at some point during the night the moon. There’s not much to do in the desert while cycling and since we tend to take naps during lunch break I’m not tired when “going to bed” as soon as it’s getting dark. That leaves me staring at the sky for what feels like hours and I enjoy every second.

It only took us one and a half days to reach Bahariya, the last oasis, but we still decided to spend another day there resting before we took on the 400km to Cairo. At some point we discovered our attitude had once again changed. A sense of melancholy started to spread and we finally realized that something great is coming to an end. Yes, it will be great to see friends and family again and to have a bit of routine but then we won’t be traveling anymore. All together the trade will be a bad one. We wouldn’t mind leaving Africa (09/23: So we thought…), or the desert for that matter, but we both decided that we somehow would like to continue in cooler climates and with less head wind. It has been an epic journey and all together a great and valuable time and it’s sad that we’re closing in on Cairo and the end of it all now.

But of course we still got on our bikes the next day and started cycling to the north-east but Cairo just didn’t lure us anymore. Adding to our misery of not wanting to arrive at the next destination there was  a strong head wind evolving. Too strong. So strong that cycling was no fun anymore.

But then there are those nice little things that make the bad things better: For example at one point we were invited for tea in the middle of the desert where we hadn’t expected anybody by  a railroad worker who for which ever reason had to stay in one of those tiny huts next to the tracks.

Two days later after exactly half way we reached the first and last cafeteria on the way to Cairo. We had a long lunch break by the end of which we had decided we would cycle through the night to Cairo. There were some 190km remaining to Tahrir Square and we didn’t want to rest for the entire day only fourty kilometers or so from the final destination.

We slept until 1 a.m. once again got onto the bicycles and then we cycled through the rest of the night past desert foxes, past oil rigs, past heavy traffic and past the trash dump of Cairo (at least 5kms in diameter!) until we reached the outskirts of Cairo….

Tim